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Tabulaturen Lesen für Gitarrenanfänger

Eine Grundvoraussetzung, um die ersten Töne aus deiner Gitarre rauszuholen ist das Lesen und Verstehen sogenannter „Tabulaturen“. Tabulaturen sind ein auf die Gitarre zugeschnittenes Notationssystem, welches viel einfacher und vor allem schneller zu verstehen und umzusetzen ist als herkömmliche Noten. Das Lesen und Spielen nach Noten ist für absolute Anfänger meiner Meinung nach der falsche Weg und kann zu großer Frustration führen. Warum ich diese Meinung vertrete, welche gegenläufig zum Allgemeinen Konsens ist, werde ich noch in einem künftigen Beitrag erklären.

 

Dieser Artikel zeigt dir ganz genau, wie man Tabulaturen liest und gibt dir somit das nötige Handwerkszeug, um deine ersten Übungen und Melodien auf der Gitarre spielen zu können.

Wie sind Tabulaturen aufgebaut?

Ganz schlicht gesehen sind Tabulaturen Striche, auf denen Zahlen stehen. Eine normale Gitarre, egal ob E- oder Akustik, hat sechs Saiten und je nach Modell 12 bis 24 Bünde. Eine Saite ist der Metall- oder Nylondraht, der den Ton erzeugt, Bünde sind die metallenen Einfassungen, die aus dem Hals herausragen. Man drückt eine Saite mit einem Finger zwischen zwei Bünden fest auf das Griffbrett und ändert somit ihre Tonhöhe. Je weiter man  dabei in Richtung Korpus kommt und die Saite runterdrückt, desto höher ist der Ton welcher erklingt.

Eine Tabulatur zeigt dir hierbei ganz genau, auf welcher Saite du welchen Bund drücken musst, um den richtigen Ton zu spielen. Dafür gibt es sechs horizontale parallele Striche (ähnlich wie bei der Notenschrift). Jeder Strich steht für eine Saite und auf den Strichen stehen Zahlen. Sie geben dir an, an welchem Bund du drücken musst. Man liest das Ganze so wie die Notenschrift von links nach rechts und spielt dann einen Ton nach dem anderen:

 

Der oberste Strich steht für die tonal höchste Saite, also die dünnste und an der Gitarre ganz untere. Der unterste Strich steht für die tonal tiefste Saite, also die stärkste Saite ganz oben an der Gitarre. Man schlägt mit der Anschlaghand nur die Saiten an, auf denen auch Zahlen stehen und ansonsten keine anderen.

Wenn mehrere Zahlen untereinander stehen schlägt man die jeweiligen Saiten alle gleichzeitig an. Man spricht dann von einem sog. Akkord. Mehr dazu in weiteren Artikeln:

 

Steht eine Null in der Tabulatur, dann wird nichts gedrückt und die jeweilige Saite einfach so angeschlagen. Man spricht hierbei von einer Leersaite.

 

Rhythmik

Ein ganz wichtiger Punkt fehlt noch: Und zwar die Frage, wie lange man die Töne in der Tabulatur spielen soll und nach welcher Zeitdauer der jeweils nächste Ton kommt. Man spricht hierbei vom sogenannten Rhythmus. Er kann in der Tabulatur ebenfalls notiert werden durch Striche und Zeichen unter- bzw. oberhalb der Bund- und Saitenangaben. Das kann folgendermaßen aussehen:

 

Einfache Striche sind Viertelnoten, zwei Noten mit einem Balken verbunden sind Achtelnoten. Die umkreiste Note ist eine Halbnote. Was genau Viertel- und Achtelnoten etc. sind, erfährst du an anderer Stelle oder bei einem guten Gitarrenlehrer. Wenn du blutiger Anfänger bist, würde ich dir raten, vorerst einfache Stücke und Übungen zu spielen, die du schon gut kennst oder die du im Kopf hast. Dadurch wird es dir viel leichter fallen, die Rhythmik des Stückes nachvollziehen und spielen zu können ohne dir groß einen Kopf über die Rhythmik machen zu müssen.

 

Ein Beispiel

Hier ist ein ganz simples Beispiel einer Melodie, das du schon heute ausprobieren kannst, selbst wenn du noch nie eine Gitarre in der Hand gehalten hast:

Es handelt sich hierbei um einen Teil der Melodie von „Ode an die Freude“ von Ludvig van Beethoven, einem weltbekannten Stück welches jeder kennt und vor Allem jeder Gitarrenanfänger super schnell lernen kann.

 

Folgendes musst du tun:

Vergewissere dich vorerst, ob deine Gitarre richtig gestimmt ist. Wie man seine Gitarre richtig stimmt gibts in einem anderen Artikel zu lesen.

Bei den ersten beiden Tönen schlägst du die dünne unterste Saite zweimal an, ohne auf den Hals zu drücken (-> Leersaite). Bei den nächsten beiden Tönen drückst du zuerst mit dem Zeigefinger zwischen Leersaite und ersten Bund und dann mit dem Ringfinger zwischen zweiten und dritten Bund. Das sieht so aus:

Beim achten Ton in der Folge wird auf die nächst tiefere Saite (die B-Saite) gewechselt und du musst deinen Ringfinger dort kurz vor dem dritten Bund ablegen:

Und so weiter und so fort… der Rest der kleinen Partitur sollte jetzt leingroßes Problem mehr darstellen und ich hoffe du hast mit diesem kurzen Beispiel einen Einblick gewonnen und konntest vielleicht sogar schon deine allerersten Töne auf der Gitarre spielen.

 

Wie geht's weiter?

Du hast jetzt die Grundlagen gelernt, um Tabulaturen mit der Gitarre zu spielen. Wenn dir die kurze Lektion gefallen hat, dann habe ich in einem weiteren Artikel noch ein paar Stücke, die super einfach sind und die jeder Anfänger in kürzester Zeit meistern kann.

Ansonsten freue ich mich darüber, wenn du dich bei mir meldest und ich dir bei einer gemeinsamen Probestunde noch mehr coole Sachen zeige kann.

Wenn du noch weitere Fragen zu dem Thema hast oder etwas unklar ist bin ich jederzeit per Email erreichbar und dann werden wir sehen, wie ich dir weiterhelfen kann.

 

Bis dahin - Vielen Dank fürs Lesen und viel Spaß beim Rocken!

Constantin von der ShredFactory Augsburg